Die Malediven und wie unser Guide verhaftet wurde

Eine Seefahrt die ist…

Im September, während eines Surfurlaubs in Portugal fragte mich ein guter Freund, ob ich Lust auf einen Boat Trip auf den Malediven hätte. Ein paar Freunde aus dem Bekanntenkreis wollten ein Boot chartern und die Wellen des indischen Ozeans surfen. Cool dachte ich mir, nur leider bin ich seekrank. Mir wird schon bei einer Schifffahrt auf einem See schlecht. Die Aussicht auf gute Wellen und ein neues Land, lies mich jedoch nicht mehr los und ich sagte zu.

So kam es einige Monate später dazu, dass eine gemischt Gruppe der verschiedensten Charaktere sich zusammen auf einem Boot auf dem Indischen Ozean wiederfand. Dass das Boot eher wie eine Nussschale aussah und wenig Komfort bot, war uns vorher nicht wirklich bewusst gewesen. Irgendwie sah unser Boot, die „Clearwater“, auf den Bildern doch größer aus als in der Realität. Zudem war die Klimaanlage defekt und Aussicht auf Reparatur während unseres Trips bestand nicht.

Die Freude auf 14 Tage Schiffsleben und Abenteuer auf See überwogen diese Tatsachen aber schnell. Schlafen kann man ja schließlich auch an Deck. Dort überlebt man gefühlte 40 Grad sowieso besser 😉 . Auch die anfängliche Übelkeit durch die ständige Bewegung des Wassers verging bei mir nach einiger Zeit. Ich weiß allerdings nicht wieviele Reisekaugummis ich in diesem Urlaub gekaut habe, aber sie halfen tatsächlich sehr gut.

Leben an Board…

Unsere Crew bestand aus 5 Einheimischen und unserem Guide. Falk Ostwald, der vor Jahren ausgewandert war und jetzt Boat Trips organisierte und ein Surfhouse betreibt, wollte uns das Leben auf See näher bringen. Eines der ersten Dinge, die wir lernten war, dass man Alkohol nur in den teuren Resorts bekommt und Boote eine Lizenz für Alkohol haben müssen, da die Malediven muslimisch sind. Das wussten wir zwar vorher, aber mit dem Alkohol haben wir das nicht in Verbindung gebracht.  Zum Glück hatte Falk eine Lizenz. Der Bedarf an Alkohol war jedoch etwas knapp kalkuliert, so dass wir anfangs zwei Tage auf Nachschub warten mussten. Als die Lieferung dann kam, war natürlich die Freude umso größer 😉

Unsere Crew war sehr nett, jedoch nicht wirklich erfahren, was das Surfen und der damit verbundene Wellengang anging. Man muss bedenken, dass die wenigsten Malediver schwimmen können. Ob das auf unsere Crew auch zutraf, kann ich nicht sagen. Aber ich habe nie einen von Ihnen im Wasser gesehen, so heiß es auch war. Vielmehr wurde unsere Plantscherei im kühlen Nass stirnrunzelt verfolgt. Nach einigen Erklärungen und Bemühungen unsererseits brachten sie uns aber täglich mit dem Beiboot zum in der Nähe liegen Spot Namens „Chickens“. Die Clearwater ankerte die meiste Zeit vor der Insel Cokes.  Eine Insel mit einer kleinen Coca Cola Fabrik. Dort wird weltweit die einzige Coke aus gefiltertem Salzwasser hergestellt. Wir haben mit der Clearwater tagsüber schon einige Strecken zurückgelegt, über Nacht jedoch setzen wir den Anker in Inselnähe, um nicht in der Strömung zu liegen. Was auch einen großen Einfluss darauf hat, wieviel das Boot schaukelt 😉 .

Der Tagesablauf war meist gleich. In der Früh gab es Frühstück. Danach fuhren wir mit dem Beiboot raus, um einige gute Wellen zu surfen. Später wurde uns dann ein Mittagsessen der lokalen Küche gezaubert. An Deck nutzte jeder den großen Teil der freien Zeit für sich. Wir sonnten uns an Deck, schwammen zur nahe liegenden Insel Cokes um uns Snacks zu kaufen oder um sich einfach die Füße zu vertreten und einen Eindruck von dem Leben der Malediver zu bekommen. Auch erfuhren wir während unserer Reise, wie es ist, eine Nacht mitten auf hoher See zu verbringen, da unser Anker sich vermutlich im Riff verharkt hatte und wir es zusammen nicht geschafft haben ihn zu befreien. Aber Dank meiner Reisekaugummis habe ich diese Nacht überlebt 🙂

Je nach Laune fuhren wir Nachmittags erneut für eine Surfsession zum Spot und Abends gab es meist frischen Fisch zum Abendessen. Ohne Fernseher und Handy beschäftigt man sich nun viel mehr mit sich selbst, was ich als eine tolle Erfahrung mitgenommen habe. Wenn man wirklich Kontakt mit der Außenwelt wünscht sollte man sich vor Ort eine Sim Karte zulegen. Nutzt man seinen eigenen Vertrag, so kann man schnell mal eine 2000EUR teure Rechnung erhalten – wie meinem Kumpel passiert ist. Also lieber kein Facebook, Tinder oder ähnliches nutzen – die Verbindung ist eh nicht gut;)

Einheimische- vs. Touriinsel

Während unserer Reise hatten wir die Möglichkeit eine einheimische Insel anzusteuern und dort einen Eindruck vom Leben der Malediver zu bekommen. Die meisten verdienen ihr Geld mit dem Tourismus auf den Resortinseln. Sie leben aber auf anderen Inseln. Das wird strikt getrennt. Daher war es für uns sehr interessant einen Eindruck von einer nicht für die Touristen präperierten Insel zu erhalten. Es kam uns vor, als würde der ganze Müll von den Hotels auf die einheimischen Inseln gefahren. Ein sehr trauriges Bild in all der Schönheit, die uns umgeben hat. Viel Besuch von Touristen bekommen die Insulaner nicht. Unser Aufenthalt wurde mit neugierigen Blicken verfolgt und wir wurden sehr nett behandelt.

Wo ist unser Guide?

Nach mehr als einer Woche auf hoher See und wohltuendem Nichtstun überkam uns der Tatendrang und wir wollten an Land grillen. Schnell mit Falk gesprochen und schon war alles organisiert. Grillen ohne Bier ist ja für die Herren der Schöpfung anscheinend nahezu unmöglich, aber was solls – da muss Mann durch 😉 Zu unserer freudigen Überraschung befüllte Falk kurz vor der Abfahrt mit dem Beiboot eine Reisetasche mit gekühlten Dosen Bier und einer Flasche Wodka. Es dürfe nur nicht auffallen, dass wir Alkohol auf die Insel bringen meinte er. Hätte er mal eher sagen sollen, jetzt hatten wir schon alle auf See unseren Durst mit dem ein oder anderen Bier gestillt 😉 Die allgemeine Begeisterung wurde demnach umso größer. Der Abend konnte starten..

 

Wir saßen nicht lange, da stürmte die Polizei herbei. Eine Razzia wie im Fernsehen. Wir wurden wieder aufs Schiff gebracht und Falk mitgenommen… Nun warteten wir an Board. Kein Falk weit und breit. Auch die Crew wusste nichts Neues. Aus unserer geplanten Tour Riesen Mantas anzuschauen wurde nichts, da die Fahrt mehrere Tage gebraucht hätte und dann wäre es mit unseren Rückflügen knapp geworden. Nach drei Tagen dann war Falk zurück. Er hatte seinen Reisepass und ein bisschen Kleingeld gebraucht und war „wenig später“ wieder auf freiem Fuß. Die Erleichterung war groß und der Urlaub konnte weitergehen. Keiner von uns würde nach dem Ereignis je wieder auf die Idee kommen, Alkohol auf eine muslimische Insel zu bringen.

Das komische an unserer Reise war, dass wir nicht wirklich viel rumgekommen sind. Es war kein Boat Trip, da wir immer an der selben Stelle vor Anker lagen. Wir haben zwar mal eine einsame Insel angesteuert oder eine einheimische Insel angesehen, aber die meiste Zeit lagen wir bei der Insel Cokes vor Anker. Laut Falk waren die Wellen nur an dem einen Spot gut zu der Zeit. Da wir die anderen Spots nicht angefahren sind, konnten wir das nicht beurteilen. Klar waren wir etwas unzufrieden, da wir ja viel mehr Spots surfen wollten und auch mehr sehen wollten von unserer Umgebung. Im Nachhinein jedoch denke ich, dass wir gerade durch das Nichtstun entspannen konnten. Ich jedenfalls bin auf dieser Reise zur Ruhe gekommen und habe das, was wir erlebt haben dadurch viel bewusster war genommen. Wären wir an wesentlich mehr Orten gewesen, hätte ich wahrscheinlich nicht so ausführliche Erinnerungen an diese Reise mitgenommen. Auch die gemischte Truppe, die wir waren, war einfach toll. Ich denke da hatte ich einiges an Glück, da wir uns alle gut verstanden haben. Zwei Wochen auf einem Boot, wenn man sich nicht versteht, stelle ich mir als Alptraum vor. Ein reiner Resorturlaub kommt für mich nach dieser Erfahrung jedenfalls nicht mehr in Frage. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

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Tipps:

  • Vorher genau erkundigen, welche Ausstattung das Boot hat. Eine vernünftige Dusche ist Gold wert. Als Frau die Außendusche vor dem Künchenfenster zu benutzen ist nicht der Hit 😉 Eine Klimaanlage ist nützlich, gerade bei hohen Temperaturen, aber es geht auch ohne
  • Gewisse Punkte der Route festmachen
  • Sim Karte bei Ankunft kaufen falls man erreichbar sein möchte
  • Überlege mit wem du diesen Trip machst. Auf engstem Raum Tag und Nacht miteinander zu verbringen ist nicht jedermanns Sache
  • Reisekaugummis bei Seekrankheit oder verschreibungspflichtige Tabletten vom Arzt. Mir haben die Kaugummis aber völlig gereicht und ich bin sehr empfindlich
  • Erkundigungen einholen, welche Erfahrungen die Crew mit Surfern hat. Wir waren leider die erste Surfgruppe für die Besatzung. Nicht jeder liebt die Wellen so wie wir Surfer. Viele haben auch Angst
  • Nimm wenn dann nur ein paar Flip Flops mit, falls du mal an Land gehst. An Deck läuft man eh nur Barfuss

Für alle die wissen wollen, wo wir vor Anker lagen 😉 :

 

 

 

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